TOTILAS
der tierische Massen-Magnet

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Der Wunderhengst auf den Deutschen Meisterschaften in Balve 
Von Jenna Günnewig

Kreischen verboten! Denn dieser Star ist divenhafter als Lady Gaga. Totilas tanzt an diesem Wochenende (17.-19.06.11)durchs Dressurviereck in Balve. Das Popstar-Pferd reist mit Bodyguards, Modekollektion und eignem Manager - und die Fans immer hinterher.

Ein Pferd im Blitzlichtgewitter
Zoom, klick, klick - die nächsten fünf Minuten gilt es Beweismaterial zu sichern, jeden Schritt, jeden Sprung einzufangen. Hunderte Zuschauer versuchen das tanzende Wunder dort auf dem Sandviereck festzuhalten, es per JPG-Datei und verwackeltem Handy-Video mit nach Hause zu nehmen. Um den unwissenden Noch-Nicht-Fans erklären zu können, wer dieser Totilas ist.

"Ein Denker", "ein Wunder", der "Boris Becker des Dressursports", schreiben die großen Zeitungen. Etwas nüchterner betrachtet ist Totilas ein kräftiger schwarzer Hengst, gebürtiger Holländer und elf Jahre alt. Ausgebildet wurde er von dem niederländischen Dressurreiter Edward Gal. Bei den Weltreiterspielen 2010 in Kentucky gewann das Paar alle drei möglichen Goldmedaillen - und schrieb Dressurgeschichte.

Zehn Millionen Euro - ein Ronaldo ähnlicher Transfer

Die Leichtigkeit des Totilas-Reitens
Der ehemalige Springreiter Paul Schockemöhle sah den Hengst, zahlte rund zehn Millionen Euro und tätigte damit den teuersten Transfer der Reitsportgeschichte. Die Dressur-Olympiasiegerin Ann Kathrin Linsenhoff ging mit Schockemöhle eine Besitzergemeinschaft ein, jetzt gewinnt ihr Stiefsohn Matthias Alexander Rath aus Kronberg mit Totilas die Dressurprüfung. "Alles nur geklaut", schimpfen die niederländischen Pferdefans über die Erfolge des neuen deutschen Totilas-Reiters.

Der 26-jährige Rath nimmt transnationale Anfeindungen und internationalen Medienrummel sympathisch gelassen und gewinnt auch den Grand Prix (17.06.11) im sauerländischen Balve. Mit 81,021 Prozentpunkten schwebte das frisch gefundene Paar Amazonen wie Isabell Werth und Nadine Capellmann davon. Für Totilas gibt es heute Höchstnoten und wieder mal viel Hysterie jenseits des Vierecks.

Ein Königreich für ein Pferd...

In Balve haben sie für die pilgernde Totilas-Fans extra das Dressurstadion ausgebaut. 1.500 Plätze extra gibt es hier nun. Zudem räumte die Grafen-Familie Landsberg-Velen, die das Turnier leitet, exklusiv die naheliegenden Schlossstallungen. Totilas residiert nun abgeschirmt und abseits von den anderen Sportpferden, von Trubel und Turnierzelten. Seine Pflegerin und ein befreundeter, extra mitreisender Wallach schlafen in den zwei angrenzenden Boxen. Zusätzlich abgesichert ist Prinz Toto durch den Wassergraben des Grafen und einen 24-Stunden-Bodyguard-Service vor seinen Stallungen.

Felicitas Köster schüttelt über die Extrabehandlung nur den Kopf. "Sehr übertrieben. Das ist doch nur ein Tier!" Sie hat hier im Verein geritten, besucht jedes Jahr das Reitturnier. Doch durch den Totilas-Rummel gehe der familiäre Flair verloren. Für das Dressurstadion wollen die Veranstalter in diesem Jahr zum ersten Mal sieben Euro extra kassieren. Anja Bernecker-Wegner und ihre Freundinnen bezahlen den Totilas-Aufschlag gerne. Selbst ihr Mann kenne den Hengst. Sie wolle heute das, was sie im Internet und Fernsehen so oft gesehen habe, live erleben. "Spektakulärer Bewegungsablauf", schwärmt die Hobby-Reiterin nach dem Grand Prix. "Klar macht der eine Show, aber eine gute!"

Ein zweiter Platz? Nicht auszudenken!

Und wirklich der Hengst scheint bei Piaffen, Passagen und Pirouetten nicht den Boden zu berühren. Trotz Patzer bei Grußaufstellung und im Galopp-Teil ist der Sieg sicher. Bei Totilas scheint es nicht mehr darum zu gehen, ob er gewinnt, sondern wie hoch. "Diese Fehler gehen eindeutig auf meine Kappe", gesteht der verschwitzte Rath nach der Prüfung. Sie seien ja noch in der Entwicklungsphase. Klingt gelassen, ist aber schwierig, wenn Kamerateams, Fotografen und Fachwelt jeden kleinsten Fehler registrieren. Allein in Balve verfolgten rund hundert Journalisten jede Bewegung des Paares und das vom Abreiteplatz bis zur Siegerehrung.

Alles dreht sich um Totilas

Zu viel der Aufmerksamkeit? Der Konkurrent und drittplatzierte Christoph Koschel schüttelt den Kopf: "Was Totilas und Rath für den Sport tun, ist toll und wir hoffen, dass das noch lange so weitergeht." Und selbst Otto Becker macht einen Abstecher zum Dressurviereck wenn Totilas startet, der Bundestrainer der Springreiter nennt den Hengst: "ein Glücksfall, der dem gesamten Reitsport positive Schlagzeilen beschert." Ein Hengst als Hoffnungsträger für eine ganze Sportart. Ein Massen-Magnet für den Dressursport, ein vierbeiniger, lackschwarzer Star für die Mädels und deutsche Goldhoffnung für die nächsten olympischen Spiele - Totilas erfüllt ferne Träume. Und genau dafür ist ein Popstar da.