Der fliegende Hollander

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16. Februar 2009 | Von Martina Brüske   -   SHZ

Bester Deutscher beim Großen Preis in der Holstenhalle:
Jörg Kreutzmann aus Kasseburg.
Foto: Sell
Das 59. internationale Reitturnier VR Classics in der Holstenhalle zu Neumünster ist Geschichte. Sieger des Großen Preises wurde ein Niederländer: Mannschafts-Weltmeister Piet Raijmakers.

Es hat lange gedauert, bis Piet Raijmakers der große Wurf gelingen sollte. So oft ist er schon bei den VR Classics in Neumünster gestartet, aber nie konnte er den Großen Preis gewinnen. Gestern beendete der Mannschafts-Weltmeister den Anlauf auf das Hauptereignis der vier Turniertage in der Holstenhalle mit dem ersehnten Erfolg. Mit dem 14 Jahre alten Hannoveraner Hengst Rascin gewann Raij makers in 38,81 Sekunden im Stechen den mit 38 000 Euro dotierten Großen Preis der Volksbanken und

Raiffeisenbanken - ein "fliegender Holländer", der da im Oval gefeiert wurde.

Überraschend ist das nicht, denn schließlich zählt der Niederländer zu den erfolgreichsten internationalen Reitern überhaupt. Gleichwohl gab sein Sieg Anlass, einmal nachzuschauen, wie viele Ausländer bereits in Neumünster triumphiert haben - und da förderte die Liste Erstaunliches ans Licht: Erst sechs Mal in 27 internationalen Turnierjahren ging der Große Preis ins Ausland. Raij makers will das ändern: "Ja klar. Wenn ich darf, komme ich nächstes Jahr gerne wieder." Wiederkommen will auch Jörg Kreutzmann aus Kasseburg. Der Profi, der seit 17 Jahren für die TRSG Neumünster startet, hätte Raij makers noch abfangen können, blieb jedoch Zweiter: "Gut, da hat eine Distanz zwischen den Sprüngen nicht so geklappt, wie ich wollte. Aber ich bin trotzdem super zufrieden." Mit Sauternes ter Vlucht fand der Reiter vor anderthalb Jahren erneut Anschluss an die deutsche Spitze. Dass die Berufung in den bundesdeutschen B2-Kader im Januar alles andere als ein Zufall ist, rechtfertigte Kreutzmann in der Holstenhalle. Am Sonnabendabend gewann er mit dem Wallach Goshawk das internationale Zeitspringen. Hinter dem gebürtigen Niedersachsen, der zugleich auch erfolgreichster Reiter der VR Classics wurde, reihte sich der Riders Tour-Sieger Carsten-Otto Nagel aus Wedel ein. Bis zum Großen Preis lief das Turnier nicht so erfolgreich für den 45-Jährigen, da stimmte Platz 3 mit dem Holsteiner Wallach Cazaro versöhnlich.

Die Dressur war in Neumünster fest in weiblicher Hand. Nach dem Grand Prix gewann die Doppel-Weltmeisterin und Mannschafts-Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) auch die Weltcup-Kür in der rappelvollen Holstenhalle mit dem Hannoveraner Wallach Satchmo. Die Piaffe-Passage-Tour ihrer Olympiakür hatte Werth leicht "entschärft" und holte sich einen soliden Erfolg. Einzig die Schlussaufstellung im Viereck zum Grüßen geriet etwas kurz, so wie bei vielen anderen Reitern auch. Neumünsters Dressurpublikum fackelte nicht lange und jubelte entschlossen los. Da erschraken auch weniger empfindsame Gemüter als der sensible Satchmo.

Die Weltcup-Kür soll nach dem Willen der neuen Veranstalter Paul Schockemöhle (Mühlen) und Ullrich Kasselmann (Hagen am Teutoburger Wald) auch 2010 in Neumünster stattfinden. Sponsor Volksbank Raiffeisenbank Neumünster gab bereits die Zusage, 2010 wieder dabei zu sein. Nun hängt es davon ab, ob der Weltreiterverband dem Werben anderer deutscher Veranstalter nachgibt. Kasselmann ließ vorsorglich schon mal ein Video über die Weltcupstation im Norden drehen, um die Präsidentin des Weltverbandes, Prinzessin Haya von Jordanien, vom Flair der Holstenhalle zu überzeugen: "Wir werden ihr das zeigen, damit sie genau weiß, wie es in Neumünster ist." Vielleicht wird man ihr auch davon berichten, dass in Schleswig-Holstein die Massen mobilisiert werden. Insgesamt wurden bei den VR Classics 34 500 Zuschauer gezählt.

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